Pressespiegel

Vom „Sternenkind“ und seiner Geschichte – Die Arbeiten von Lieselotte Schwarz in der Kunstarche

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Wiesbadener Kurier


Wiesbadener Kurier 17. Oktober 2018

Von Alexander Weiß

WIESBADEN. Geraldine Elschner hat den Tag noch in
genauer Erinnerung, als das Telefon klingelte und Lieselotte Schwarz am
anderen Ende des Apparats war. Die Kinderbuchautorin hatte gerade ihr
Buch „Sternenkind“ zu Ende geschrieben und gemeinsam mit ihrem Verleger
Michael Neugebauer überlegt, wer es illustrieren könnte. Das dies die
Wiesbadener Künstlerin Lieselotte Schwarz übernehmen könnte, erschien
passend, aber unvorstellbar. Zu groß waren schlichtweg die Namen jener
Autoren, die von Elschner gemeinsam mit den der gefragten Illustratorin
auf dem Buchtitel standen: Henry Miller etwa, E.T.A. Hoffmann oder
Ingeborg Bachmann. „Und dann kam ich mit meiner kleinen Geschichte“,
sagt Elschner. Jetzt sind die Arbeiten von Lieselotte Schwarz unter dem
Motto“Das Lächeln am Fuße der Leiter“ bis zum 9.November in der
Kunstarche zu sehen.

„Sternenkind“ steht in einem traurigen Zusammenhang,
denn gerade war im Bekanntenkreis ein Mädchen im Alter von vier Jahren
an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. „Ich suchte nach Wegen,
um mit meinen Kindern über das Thema Tod zu sprechen, und habe mich dann
an den Schreibtisch gesetzt. Der kleine Stern unternimmt dabei eine
Reise vom Himmel zur Erde und dann wieder zurück, wo er sich mit dem
Mond über das Erlebte unterhält.“ Lieselotte Schwarz gefiel der Text,
besonders das Verhältnis zwischen dem, was der Stern auf Erden, und dem
was er im Himmel erlebte, beschäftigte sie. Bis heute sei sie davon
gerührt, wie Schwarz auf ihren Text eingegangen sei, sagte Elschner. Sie
habe nachvollziehen können, dass in Anlehnung an das Mädchen in der
Geschichte die Zeit auf Erden viel kürzer war als die im Himmel. Das
Buch erschien 2002. Es war die letzte große Arbeit von Lieselotte
Schwarz. Ein Jahr später starb die Künstlerin in Wiesbaden.

„Der Bruch mit dem Herkömmlichen“

Durch Leihgeber die teilweise mit der
Buchillustratorin und Malerin befreundet waren, konnten die Mitglieder
der Kunstarche die Ausstellung zusammenstellen. Für ihre Werke wurde die
1930 in Liegnitz (Schlesien) geborene Künstlerin mit vielen Preisen
bedacht, darunter etwa der „Grand Prix“, der ihr 1973 für das von ihr
geschriebene und gemalte Buch „Traummacher“ auf der Biennale in
Bratislava (BIB) verliehen wurde. Die Figuren mit den lustig klobigen
Formen könnten aus dem Beatles-Kultfilm „Yellow Submarine“ entsprungen
sein. Sie erzählen von einer Welt, die bunter, leidenschaftlicher und
offener ist als die Realität. Felicitas Reusch, Vorsitzende der
Kunstarche, erklärt es so „Im Vordergrund der Arbeit von Lieselotte
Schwarz steht der Bruch mit dem Herkömmlichen.“ Die Leser und Betrachter
ihrer Werke haben dadurch den Weg in eine fantastische Welt gefunden.


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