Wiesbadener Kurier 9. April 2022
von Viola Bolduan
Wiesbaden. Video und Power Point,
biografischer Abriss und Bilderklärung, Dank und Vorrausschau – zum
abwechslungsrechen Abend im Gedenken an Egon Altdorfs 100. Geburtstag am
4. April in der Kunstarche sind viele gekommen. Vor vollem Haus begrüßt
Leiterin Felicitas Reusch insbesondere den aus England angereisten Sohn
Dorian Crone-Altdorf, der für die im Herbst geplante große
Egon-Altdorf-Ausstellung Leihgaben zur Verfügung stellen wird. Beispile
aus dem Werk des Bildhauers, Holzschnitzers und Glasgestalters, der von
1948 bis 2008 in Wiesbaden gelebt und gearbeitet hat, werden in klug
sortierter Auswahl von Felcitas Reusch in Bild und Wort veranschaulicht,
des Wiesbadener Fotografen Patrick Bäumls Video über die von Altdorf
geschaffene Innenausstattung der hiesigen Synagoge gezeigt. Jacob
Gutmark aus dem Vorstand und Steve Landau, Geschäftsführer der jüdischen
Gemeinde, machen diesen Rundgang am Abend auch noch mal mit. Egon
Altdorf hatte hier Gebet und Symbolbilder aus der Thora in gläserne
Farben und Formen umgesetzt, mit dem Ergebnis „übernatürlicher
Stimmung“, wie Reusch überleitet zum eigenen Vortrag, als die Natur des
Computers es zulässt. Als Projektion empfängt Egon Altdorf umgben von
Modellen aus Pappe und Gips in seiner Wohnung in der Freseniusstraße 17,
wo nach seinem Tod 2008 im Garten die Installation „Flügel der Wege“
aufgestellt werden sollte. Für den öffentlichen Raum hat er Figur
(Gymnasium am Mosbacher Berg) und Relief (Helene-Lange-Schule)
geschaffen. „Ich dachte das sei ein Engel“, errinnert sich die
Kunstarchen-Leiterin an ihre dortige Schulzeit. In ihrem Vortrag beont
sie „Leichtigkeit“ als charakeristisches Merkmal von Altdorfs früheren
Skulpturen. Sie zeitgt Beispiele seiner figurativen Arbeiten, das
prämierte Werk vom „Unbekannten politschen Gefangenen“, Plakatarbeiten
bis zum Holzschnitt „Der verlorene Sohn“, der in der Nachkriegszeit 1948
als politischer Kommentar gelten kann. Wenn der heimkehrende Sohn sich
in letzter Konsequenz die Maske abreißt, ist es die der politschen
Verblendung. Vis-á-vis der Abbildung behalten viele Besucherinnen und
Besucher am Abend ihre als Virenschutz auf.
Vorfreude auf die Ausstellung im Oktober
Für diesen Vorgeschmack auf die
Egon-Altdorf-Herbstausstellung in der Kunstarche dankt Sohn Dorian
Crone-Altdorf auf Englisch und nicht nur das. Er lobt Reuschs „visionary
courage“ (visionären Mut) für eine solche künftige Schau, die im
Anschluss ins Henry-Moore-Institut im englischen Leeds wandern soll. Die
Ausstellung begleitend wird im September eine Publikation mit
kunstwissenschaftlichen Exegesen zu Altdorfs Schaffen herauskommen, um
deren Subskription am Abend gebeten wird. Dafür und für Gespräche gibt
Reusch den Abend frei. Er wurde eifrig genutzt in Vorfreuden auf die
Herbst-Ausstellung eines Wiesbadner Künstlers, der „die Herzen der
Menschen berührte“, wie Sohn Dorian errinnerte und weiß: „He was a
sensitive man“ ( Er war ein feinfühliger Mann). Er selbst ist noch auf
der Suche- nach bisher in Museen oder auf dem Kunstamarkt nicht
auffindbaren Abreiten des Vaters. „Glücklich und stolz“ freilich ist er
schon jetzt, dass das Egon-Altdorf-Projekt mit dem Wiesbadener wie auch
dem angeschlossenen internationalen Team durchgeführt werden kann. Am 9.
Oktober ist nicht nur er wieder da, wenn die Ausstellung eröffnet wird.
