Wiesbadener Kurier · 7. November 2022
Mit viel Beifall und sichtbar großer Unterstützung wurde der Kunstarche Wiesbaden im Festsaal des Rathauses der städtische Kulturpreis verliehen.
WIESBADEN. Viel Beifall gab es und auch manches Fähnchenschwingen. Das Logo der Kunstarche sollte sichtbar sein im Festsaal des Rathauses zur Verleihung des Kulturpreises – genauer: „Preis zur Förderung des kulturellen Lebens der Landeshauptstadt Wiesbaden“ – an den Verein, der sich dem Nachlass Wiesbadener Künstlerinnen und Künstler widmet.
Und wie viele Mitglieder er doch hat, sollte demonstriert werden. Es sind 200. Nicht alle sind zur Feierstunde anwesend, schließlich waren auch andere Gäste geladen und willkommen. Aber in vielen Stuhlreihen stehen sie zum Akt der Verleihung auf und schwenken ihre Fähnchen zur Gratulation an die Kunstarche-Vorsitzende Felicitas Reusch und ihren Stellvertreter Bernd Brach: eine fantasievolle Idee neben allem Verwalten, Recherchieren, Präsentieren und Publizieren künstlerischer Nachlässe, wofür der Verein an diesem Abend ausgezeichnet wurde.
Musik und Würdigung
Gitarristin Yuliya Lonskaya umrahmt die Verleihung. Vor, zwischen und nach Begrüßung und Ansprache klingt das Gitarrenspiel der renommierten Musikerin mit stupender Technik im Saiten- und Tempowechsel und samtweich heller Stimme zu lateinamerikanischen Rhythmen.
Zu den Stimmen, die sprechen, gehört die des Oberbürgermeisters Gert-Uwe Mende (SPD), der willkommen heißt und die Bedeutung des zu verleihenden Kulturpreises erklärt: Seine Vergabe spiegele die künstlerische Vielfalt, würdige fachliche Kompetenz und nachhaltiges Engagement. Diesmal gilt sie der Arbeit der „einzigartigen“ Institution der ehrenamtlich arbeitenden Kunstarche.
Kulturdezernent Axel Imholz (SPD) betont das Miteinander kunstgeschichtlicher Arbeit und die Teilhabe an der aktuellen Kunstszene im Wirken des Vereins. Auch das Persönliche hebt er hervor: „Ohne Sie, Felicitas Reusch, wäre die Kunstarche nicht da, wo sie ist.“ Über sein Manuskript hinaus sichert er eine räumliche Erweiterung der Kunstarche im Haus des Stadtarchivs als „realistisches Ziel 2023“ zu. Die Stadt danke mit ihrer Preisvergabe für das „großartige Engagement“.
Ein Gewinn für die Stadt
Eigentlich feiere die Stadt sich selbst, kommentiert Laudator Peter Forster, Kustos im Landesmuseum, in freier Rede und beglückwünscht Wiesbaden umgekehrt zu seiner Kunstarche. Wie sollte das Landesmuseum städtische Kunst sichtbar machen, wenn es sie nicht hat? Der Verein Kunstarche aber hat sie. Er hat gerade sein zehnjähriges Bestehen gefeiert – Forster hätte sich dessen Arbeit für das kulturelle Gedächtnis der Stadt schon vor 100 Jahren gewünscht.
Ihre ersten zehn Jahre kann die Kunstarche nachvollziehen und stellt sie dem Laudator in Präsentationen zur Verfügung: exemplarisch vom ersten KH-Buch-Nachlass über die Rekonstruktion der „gruppe real“ bis zur Erinnerung an Wiesbadens frühere Werkkunstschule. „Wir haben die Wiesbadener Künstler nicht gepflegt – aber die Kunstarche hat“, sagt der Museumsmann. Er beneidet den Verein um den freien Eintritt zu seinen Vorträgen und wünscht weiterhin viel Erfolg.
Der Applaus ist kräftig und lang, Hände wedeln mit Fähnchen. Zum Dank für die Unterstützung seitens der Stadt, insbesondere des Kulturamts und des Stadtarchivs, lächelt die Vorsitzende Felicitas Reusch, und Bernd Brach strahlt. Der erkrankte Kunstarche-Mitbegründer Arnold Gorski grüßt vom Foto. Der Oberbürgermeister lädt zum anschließenden Gespräch, nachdem Yuliya Lonskaya ein kleines Vögelchen hat fliegen und singen lassen.

