Wiesbadener Tagblatt Kultur 19.05.2012
Von Ulrike Brandenburg
Der
Scheck ist überreicht und die Freude groß. Denn mit den 3500 Euro, die
der Sprecher des Interessenverbandes der Wiesbadener Galerien, Erhard
Witzel, am Freitag Felicitas Reusch, der ersten Vorsitzenden des Vereins
Kunstarche, überreichte, können ein Computer und eine Fotoausrüstung
angeschafft werden und damit die Basisausstattung für die anstehende
Archivierung und Aufarbeitung von Künstlernachlässen in den neu
übernommenen Räumen im „Haus des Stadtarchivs“.
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Prädikatsweingüter haben in der Kurzen Nacht der Galerien und Museen in
Wiesbaden am 24. März ihre Weine gesponsert – für einen Euro pro Glas
wurden sie verkauft. Knapp 3000 Euro kamen so zusammen, die
Interessengemeinschaft der Wiesbadener Galerien rundete auf 3500 Euro
auf. Zusammen mit den Mitgliedsbeiträgen von jeweils 50 Euro jährlich
und den von der Stadt zugesagten so genannten Tronc-Mitteln, den
Überschüssen der Wiesbadener Spielbank, wird sich der Verein Kunstarche
also über 12 000 Euro an Zuwendungen freuen können – Geld, das den
anspruchsvollen Zielen der Arche entgegenkommt, die Gründungsmitglied
Johannes Ludwig übrigens im Herbst mit einem Sonderverkauf seiner
Grafiken im Pressehaus aufstockend unterstützen wird.
Der Zweck
des jungen Vereins besteht darin, Künstlernachlässe, Kunstgegenstände,
Skizzen- und Tagebücher, Autographen, Akten, Fotos, Archive und andere
vergleichbare Materialien aufzunehmen und zu betreuen, über eigene
Ausstellungen und Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen
und für externe Forschungen und Publikationen zur Verfügung zu stellen.
Anfragen an die Stadt Wiesbaden, etwa von im Ausland lebenden Nachfahren
hiesiger Künstler, konnten in der Vergangenheit nicht ausführlich genug
beantwortet werden, weiß Gründungsmitglied Wolf Spemann. „Deswegen
werden wir dokumentieren, was wir nicht langfristig in die Arche
aufnehmen können, etwa auch, weil es von der Jury abgelehnt wurde“, so
Spemann.
Mit der Umsetzung seiner Vorhaben steht der junge, im
Oktober 2011 gegründete und eingetragene Verein allerdings noch am
Anfang. Mit der aktuellen Übernahme des Nachlasses von Heiner Rothfuchs
(1913-2000), dem bekannten Wiesbadener Künstler und Gebrauchsgrafiker,
gibt es nun eine neue Herausforderung. Es wird eine Weile dauern, bis
„der gigantische, auch Skizzenbücher, Tagebücher und Korrespondenzen
umfassende Nachlass“ aufgearbeitet sein wird, so Felicitas Reusch, die
sich eine diesbezügliche Zusammenarbeit mit der Mainzer Johannes
Gutenberg-Universität wünscht. Vor der wissenschaftlichen Durchsicht
aber steht die Konservierung, die dank der neuen Räume im Rad 42 nun
begonnen werden kann. „Wir können bei der Inventarisierung und
Restaurierung beraten“, so Hans-Jörg Czech, Direktor des Stadtmuseums
und von Amts wegen als Vertreter der Stadt Vorstandsmitglied der Arche.
„Das Stadtmuseum hat ja einen anderen Sammlungsschwerpunkt, sodass die
Kunstarche hier einen wertvollen, ergänzenden Beitrag leistet.“

