Pressespiegel

Reise in die Geschichte – Seit drei Monaten wird Im Rad Kunst aus der Region aufbewahrt und erschlossen

Dienstag, 11. September 2012

Wiesbadener Tagblatt


Wiesbadener Tagblatt Kultur 11.09.2012
Von Birgitta Lamparth

Er gleicht einem Gang durch die hiesige
Kunstgeschichte, der Besuch im Domizil des Vereins „Kunstarche“. Seit
genau drei Monaten beherbergen die ehemaligen Räume der Artothek (Im Rad
42) nun die Bilder und Bücher.

Gerade eben hat das Ehepaar Gorsky zwei Werke des
Wiesbadener Malers Oskar Kolb als Archivgabe gespendet. Und der
Bildhauer Wolf Spemann – wie Arnold Gorsky Gründungsmitglied – hat jetzt
Industriezeichnungen aus dem Jahr 1954 eingebracht, aus der Klasse von
Alo Altripp. Genau das ist typisch für die Kunstarche: Sie ist von
Künstlern für Künstler gegründet. Und für alle, die sich für die
Kunstgeschichte Wiesbadens des 20. und 21. Jahrhunderts interessieren.

„Kunstgeschichte ist auch ein Kapitel der
Stadtgeschichte“, so denn auch Felicitas Reusch, erste Vorsitzende des
Vereins. Die Kunstarche schließe hier eine Lücke – denn bisher gab es
keine kunsthistorische Anlaufstelle in Wiesbaden. Mit der Übernahme des
Museums, das bis dato auch städtische Galerie war, durch das Land
Hessen, habe eine sich langsam steigernde Entfernung der in der Stadt
tätigen Kunsthistoriker von der Wiesbadener Künstlerschaft begonnen, so
Reusch. Die Kunstarche soll, auch retrospektiv, dem wieder
entgegenwirken.

Zum Beispiel durch eine Bibliothek, in der die
Kataloge der Wiesbadener Künstler und Wiesbadener Ausstellungsorte
dokumentiert sind. Ihr Aufruf daher: „Wer Bücher über Wiesbadener
Künstler hat, kann sie bei uns oder beim benachbarten Stadtarchiv für
uns abgeben.“ Von solchen Spenden lebe die Kunstarche.

Das älteste Buch, das derzeit in ihrem Besitz ist:
Der Katalog „30 deutsche Künstler“ aus dem Jahr 1929 zu einer damaligen
Museumsausstellung. Solche Spenden kommen auch der Wissenschaft wieder
zugute: Wer eine Dissertation schreiben will, findet hier Informationen –
und Querverbindungen zu Arbeiten, die zum Bestand der Kunstarche
zählen. Mittlerweile zählen 43 Mitglieder dazu, und auch da zeigen sich
die Vernetzungen: Zweite Vorsitzende ist Renate Reifert, Vorsitzende des
Berufsverbandes Bildender Künstler Wiesbaden, und Hauptsponsor der
Kunstarche ist die IG der Wiesbadener Galerien. Die Stadt unterstützt
den Verein mit der Übernahme der monatlichen Miete und einer Starthilfe
von 7000 Euro. „Wir sind auf Spenden angewiesen“, so Felicitas Reusch.

Geplant sind weitere Ausstellungen. Die nächste ist
im Herbst Max Bollwage gewidmet, der an der Werkkunstschule studiert
hat. Über die ersten fünf Jahre dieser Institution forscht zur Zeit
Professor Reiner Wiesemes von der Fachhochschule Rhein-Main – auch bei
der Kunstarche. Eine von vielen Vernetzungen…


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