Wiesbadener Kurier Kultur 14. Dezember 2016
Von Birgitta Lamparth
WIESBADEN – Sie hat zwei Generationen von Künstlern im bildenden und angewandten Bereich geprägt: Die Wiesbadener Werkkunstschule wirkte zwischen 1949 und 1970 nachhaltig. Im heutigen Kunsthaus auf dem Schulberg wurde eine ebenso
vielseitige wie intensive Ausbildung gepflegt, die bis heute mit einem
Namen untrennbar verbunden ist: Vincent Weber, der ebenso charismatische
wie kompromisslose Maler, leitete die Schule von 1954 bis 1965.
Aber nicht nur ihm, sondern auch seinen
Dozentenkollegen setzt eine Ausstellung in der Kunstarche ein Denkmal.
Die Geschichte der legendären Talentschmiede wird hier aufgeblättert –
von der Grundlehre bis zu „fertigen“ Künstlern.
Lauter Exponate von Ehemaligen
Farben anlegen, geometrisch-rhythmische Übungen,
Bildanalysen: So waren die Anfänge, wie man hier in Beispielen sehen
kann, allesamt Exponate von Ehemaligen. Im Grundsatz blieben diese immer
identisch. Und im Fortgang entwickelten sich mit einer
fächerübergreifenden Ausbildung die individuellen Talente weiter, die
sich in rund 250 verschiedenen Berufsbildern wiederfanden.
So konnte auch Vincent Weber Spuren in der
angewandten Kunst hinterlassen. Mit ihm kam das „Overstolz“-Rot in die
Schulprogramme, eine Ableitung seines Farbtons für die Zigarettenmarke.
Charakteristisch für die Ausbildung an der
Werkkunstschule Wiesbaden war aber auch der dezidierte Unterricht in der
Schrift. Hier gibt es zahlreiche Beispiele des Schriftkünstlers
Gottfried Pott, der seine Kalligrafie immer mehr verfeinerte. Dann die
Buch-Illustrationen, zu denen es ebenfalls zahlreiche Beispiele gibt.
Einige wenige zur Metallbildhauerei: Die Klasse wurde 1961 geschlossen.
Die Bildhauerei hingegen hatte mit Erich Kuhn und später Erwin
Schutzbach prägende Lehrer. Die Abteilung Architektur wurde über all die
Jahre von Gerhard Schammer geführt. Keramikabteilung, Innenarchitektur
mit perspektivischen Arbeiten mit dem Raum, Fotografie, Modedesign: Die
Werkkunstschule war in jeder Hinsicht breit aufgestellt.
Welche Früchte sie trug, wird bei Arbeiten von
arrivierten Künstlern wie Thomas Duttenhoefer, Arno Gorski oder Istvan
Szasz deutlich. Und natürlich Wolf Spemann, von dem das Vorwort für den
sehr gelungenen Katalog stammt und der den fließenden Übergang von
Handwerk und Kunst, der in der ehemaligen DDR noch so unterrichtet
wurde, nach der Wiedervereinigung vermisst. Bundesweit wurden die
Werkkunstschulen in Fachhochschulen umgewandelt. „Der hier vorliegende
Band möchte einen Denkanstoß geben, die Problematik neu zu durchdenken,“
so der Wiesbadener Bildhauer. Sicher ein guter Ansatz für eine
Diskussion mit und an der Hochschule Rhein-Main.
