Wiesbadener Kurier 11.10.2022
von Viola Bolduan
Wiesbaden. Linkerhand der Künstler bei seiner
Arbeit, rechts Fotos der sichtbaren Gestaltung von Räumen und
Skulpturen und die Hängung durchsetzt mit biographischen Angaben und dem
Text des Sternen- Gedichts auf dem Relief an der Helene-Lange-Schule-
das Entree zur Ausstellung der Werke Egon Altdorfs in der Kunstarche im
Haus des Stadtarchivs leitet anschaulich und farbig hin zu dessen
Holzschnitten, kleinen und großen Skulpturen in den hinteren Sälen.
Druckfrisch liegt der Band „Egon Altdorf 1922 – 2008. Die Kunst der
inneren Erneuerung: Skulptur, Grafik, Glasfenster, Lyrik“ auf dem Tisch,
als das Haus sich zu Eröffnung füllt. Es gilt einen der bedeutensten
Nachkriegskünstler zu ehren, der von 1946 an in Wiesbaden lebte und
arbeitete und eben auch sichtbares in der Stadt hinterlassen hat,
beispielsweise in der Ausgestaltung der hiesigen Synagoge, die Dorothea
Angor als kulturpolitsche Sprecherin der Grünen in ihrer Begrüßung
ebenso fasziniert von Altdorfs Holzschnitte und dessen pädagogischen
Engagement als Dozent und gesellschaftliches als Mitbegründer der
„Gruppe 50“ sowie des BBK Wiesbaden (Berufsverband Bildender Künstler).
Dass die Werke nun öffentlich gezeigt werden können, verdankt sich der
nimmermüden Initiative von Felicictas Reusch, Vorsitzende der
Kunstarche, deren Verein nun auch den Kulturpreis der Stadt in diesem
Jahr erhalten wird. Felicitas Reusch heißt willkommen, wird über
Altdorfs Holzschnitte und die „Kraft der inneren Erneuerung“ sprechen
und später auf Rundgängen auch so manchen Gästen die Exponate erklären.
Ein lebhaftes “ Good morning“ kommt von Dorian Altdorf-Crone, dem Sohn
aus London, der seit seiner Kindheit in England wohnt, den Vater erst
mit 18 Jahren in Wiesbaden kennen und so zu schätzen gelernt hat, dass
er nach seinem Tod zu Hause seine verstreuten Werke sammelte. In dieser
Kooperarion der Kunstarche mit dem Egon Altdorf Estate in London öffnet
sich der Fundus für Wiesbaden zum ersten Mal in dieser Ausstellung, und
auch Sohn Dorian sieht die Objekte in ihrem klar strukturierten
Zusammenhang mit frischen Augen. In kurzer, in schönstem Britisch
gehaltener Rede errinnert er an das harte Leben des Vaters kurz nach dem
Krieg, seine dennoch positive Haltung, seine Leidenschaftlichkeit, über
die er weniger sprach als sie in seiner Abreit gestaltete. Unter
welchen Einfluss der junge Egon Altdorf geriet, als er sich in den 50er
Jahren als Wettbewerbsteilnehmer in England aufhielt, führt die
britische Kunsthistorikerin Judith LeGrove aus. In klarem deutsch stellt
sie Bezüge her zwischen Altdorfs eigenem Stil und den Arbeiten des
englischen Bildhauers und Glasmalers Geoffrey Clarke (nachzulesen in der
umfangreichen und reich bebilderten Pubklikation). War der Dank an die
Austellungsinitiatorin Felicitas Reusch bereits blumenbestückt, so auch
wiederum ihrer an LeGrove, mit ihrer gemeinsam Herausgeberin des ALtdorf
Buchs. Und dann interpretiert Felicitas Reusch“ die Kunst der inneren
Erneuerung“, indem Egon Altdorf als „Gezeichneter“ wiederum selbst
zeichnend Schmerz und Leiden in Christus-Darstellungen nachvollzieht und
im Holzschnitt „Der Verlorene Sohn“ doch eine unerwartete Versöhnung
der Kriegsgeneration mit Welt und Gott in Aussicht stellt. Religiös
fundiert ist Altdorfs grafische und sktupturale Arbeit mit Szenen aus
dem Alten Testament, Engelflügelmotiv mit nach oben gerichteten Augen.
Über 30 Exponate in drei Räumen zeigen Egon Altdorf als in seiner
bedrängten Zeit nach dem Krieg nachdenkilchen und schöpferischen
Künstler, seinen Lebensweg nachgehend bis zur Metallskulptur im Garten
seines Hauses an der Freseniusstrßae 17, die er „Flügel der Wege“ nennt.
