Pressespiegel

Ein Künstlerpaar zwischen den Weltkriegen – Umfangreiche Werkschau des Wiesbadener Bildhauers Arnold Hensler und der Fotografin Annie Hensler-Möring

Montag, 12. Februar 2018

Wiesbadener Kurier


Wiesbadener Kurier Kultur 12.02.2018
Von Andrea Zisler    
                                                                         

WIESBADEN. „Wir sind sehr stolz über die großzügige
Schenkung der Werke des Künstlerpaares.“ So kommentiert Felicitas
Reusch, die Vorsitzende des Vereins Kunstarche, die umfangreiche
Nachlass-Schenkung aus dem Hause der Familie Keutner (Köln), den
Nachfahren von Paula Keutner, der Schwester des Bildhauers. 

Der Bildhauer und gebürtige Wiesbadener Arnold
Hensler (1891-1935) konzentriete sich in seinem Schaffen auf
Bauplastiken und Denkmäler. Wer kennt nicht die Quellnymphe in den
Wiesbadener Reisinger Brunnnenanlagen ( Einweihung 1932 )? Die massive
Skulptur aus Lahnmarmor kniet majestätisch im Fontänenbecken in der
städtischen Grünanlage. Deutlich passender zu ihrer kraftvollen,
wuchtig-kollossal anmutendeden Gestalt trägt sie auch den Titel „Die
Wasserschöpferin“.

Neben einer großformatigen Fotografie von Patrick
Bäumel (2017) befindet sich unter den Exponaten auch ein
souvenierähnliches, kleines Modell der Plastik. Die komplentativ-anmutig
Badende gehört zu den reifen Werken des Künstlers. Stilistisch ist die
Figur der neuen Sachlichkeit zuzuordnen, ihr Erscheinungsbild orientiert
sich an ostasiatischen Vorbildern. Gemeinsam mit seinen Freunden und
Kollegen, dem Gartenarchitekten Friedrich Wilhelm Hirsch und dem
Archiktekten Edmund Fabry,      gelang es Hensler, ein
interdisziplinäres Gesamtkunstwerk aus Gartenanlage, Brunnen und
Skulptur zu schaffen, welches die Landeshauptstadt und den Kurort mit
seinen warmen Heilquellen trefflich repräsentiert. Als Aufgabe der
Gemeinden galt es am Ende des Ersten Weltkrieges, die Gefallenen zu
ehren und Witwen und Waisen zu versorgen. In diesem Kontext wurden
Hensler zahlreiche Aufträge für Kriegsdenkmäler zuteil. Welch
feinfühlige Ader der Bildhauer hatte, zeigt die trauernde Figurengruppe
„Trauernde Mutter mit Kind“ im Zentrum des Kriegerehrenmals auf dem
Dotzheimer Ehrenfriedhof. Die beim Betrachter Empathie herrvorrufende
Plastik lehnt sich an das religiöse Motiv der Maria mit Kind an und
transferiert es in die Gegenwart. Es zeigt das klassische familiäre
Familienbild nach Kriegsende: eine trauernde Witwe mit ihrem verwaisten
Kind.          

Persönliche Einblicke in das Leben des Künstlerpaars bieten die
fotografischen Dokumentationen seiner Frau Annie Hensler-Möring. Sie
erfuhr ihre künstlerische Grundausbildung an der Berliner Reiman-Schule
für Kunst und Kunstgewerbe. Aus dieser Zeit zeigt die Schau zahlreiche
aufwendig restaurierte Entwürfe von Werbeplakaten. Nachfolgend studierte
sie an der Hamburger Landeskunstschule Fotografie. In Wiesbaden
eröffnete die vielseitige Künstlerin in der Victoriastraße 22, Ecke
Dante-Straße ein Fotoatelier. Zu ihren Kunden zählte hochrrangige
Prominenz. Persönlichkeiten aus Polotik, Kunst und Kultur präsentieren
sich auf ihren Bildnissen gerne in mondänem Habitus.


← Zum Pressespiegel