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Der Nordfriedhof war ein Treffpunkt – Jugendstilausstellung in der Kunstarche spiegelt das Lebensgefühl um 1900 wider

Dienstag, 21. Januar 2020

Wiesbadener Kurier


Wiesbadener Kurier 21.1.2020

Von Christine Dressler

Wiesbaden.“Der Jugendstil lässt uns nicht los“ heißt
die Ausstellung in der Kunstarche mit Bezug zu Wiesbaden. Das
Lebensgefühl um 1900 spiegeln fast 100 Exponate wie Grafiken, Aquarelle,
Reklamen, Bildtafeln, Bücher, Möbelstücke, Geschirr, Besteck und andere
Einrichtungsgegenstände, damalige Fotografien und aktuelle wider. Zum
Beispiel Patrick Bäumls Aufnahmen der Grabmäler jeder
Jugendstilvariante, dass der Nordfriedhof ein Treffpunkt war. Alte Fotos
verewigen dagegen Vergangenes vom Naturtheater bis hin zur
Jugendstileinrichtung, die Henry van der Velde komplett für den
Opernintendanten und Kunstsammler Kurt von Mutzenbecher schuf. Zu
verdanken ist die kontrastreiche Fülle mit noch nie Gezeigtem und
Leihgaben auch aus privater Hand drei Wiesbadenerinnen. Die
Kuratorinnen, Arche-Leiterin Felicitas Reusch und Jugendstilexpertin
Dörte Folkers, inzenierten die Schau mit Stadtarchivleiterin Anjali
Pujari, die viele Dokumente wie Baupläne und Grafiken aus der Zeit vor
1909 beisteuerte. Dazu lies das Trio vieles aufarbeiten oder für die
Schau fotografieren. Dazu gehöhrt, was 24 Tafeln mit
Hintergrunderläuterungen und Objekten in Vitrinen im ersten Saal
präsentieren: Gebäude wie das Kurhaus mit Majolika Fliesen, den
märchenhaften Wandbildern im Muschelsaal und der
Konzertpavillionmuschel, die Kaiser-Friedrich-Therme oder das
überbordend luxuriös ausgestattete Palast-Hotel samt erstmals
veröffentlichter Akter zu seiner Architektur. Den Wohlstand der Zeit
belegen ebenso die Grabmäler und das frühere Jugendstilhotel in der
Taunusstraße 46-48. Die Reklamen reichen von Wiesbadener Firmen bei der
Weltausstellung in Paris 1900 bis zu Ludwig Hohlweins witzigen
Tierannoncen für Henkell-Sekt im Zwischenraum. Das Spektrum im Depotraum
belegt breit gefächert, das berühmteste Künstler auch von der
Mathildenhöhe Werke für Wiesbadener schufen. Wie stark sie den Jugenstil
in der Stadt förderten, erstaunt um so mehr, als der Kaiser Feind des
Jugendstils war.


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