Pressespiegel

Schwarze Bäche, gleißender Rhein – Die Kunstarche Wiesbaden zeigt die sehenswerte Gruppenausstellung „Aqua – wie Wasser zur Kunst wird“

Samstag, 14. Mai 2022

Wiesbadener Kurier


Wiesbadener Kurier Samstag 14.5.2022
von Brigitta Lamparth

Wiesbaden. Das Wiesbadener „Jahr des Wassers“ strömt
durch nur so durch die Stadt. Auch die Kunstinstitutionen lassen sich
mitreißen. Neben dem Landesmuseum, das jetzt eine große Jugendstil-Schau
zeigt ( siehe unsere Besprechung in dieser Ausgabe auf der Kulturseite )
ist es auch die Kunstarche die sich dem nassen Element widmet. Mit sehr
interessanten Arbeiten wie die Kunstausstellung jetzt zeigt. „Mein
erster Gedanke war, Axel Schweppe an Board zu holen“, erzählt der
Wiesbadener Künstler Bernd Brach, der die Austellung kuratiert hat. In
der Errinnerung hatte er dabei die Aktion im Biebricher Wasserturm beim
Kunstsommer 1989, bei der Schweppe schmelzende Eisklumpen besondere
Klänge entlockte. Also fragte er bei ihm an, ob er noch Fotos von damals
habe. Hatte er – und Brach damit den Ausgangspunkt für die Ausstellung
„Aqua – wie Wasser zur Kunst wird“. 19 Künster sind dabei. Und einer
unterschiedlicher als der andere. Sehr schön wird das deutlich gleich im
ersten Ausstellungsraum. Da hängen die duftigen wunderbaren
Seerosenbilder von Julia Belot an der Wand, die nicht nur an laue
Sommerabende am See, sondern auch an Monet denken lassen – davor baumeln
fließende Formen aus Holz von Titus Grab von der Decke, die wie ein
anderer Zustand  des Wassers wirken. An einer anderen Wand mäandern sich
in einem Fries von Karin Hoerler Freibadbesucher in Endlosschleife.

Im Trüben fischen und in den Wasserfall tauchen.

Die schöne Schau zeigt aber auch Arnold Gorskis
atmossphärisch gut eingefangene Seelandschaften. Die abstrakten
„Rheinwege“ von Petra Ehrnsperger fischen im Trüben, während Bettina
Kykebusch den „Schwarzbach“ im Nerotal gerade noch so aus dem Farbrausch
erkennbar strömen lässt. Auch Eberhard Lellek hat sich dem Schwarzbach
gewidmet. Wie in einem Wasserfall ergießen sich die Farbschleier in den
großformatigen Bildern von Katja Grandpierre. Christiane Steizt ist mit
einer besonderen Interpretation des Themas vertreten: Ein Papierschnitt,
der mit Autolack bezogen ist und ein sonnenbeschienenes Gewässer sein
könnte. Reflexionen auch bei Ricarda Peters: Sie hat ein Video mit dem
Wasser von Venedig gedreht, das in den langsamen Sequenzen wie Malerei
wirkt. Das passt gut zur Fotografie von Reinhold Fischenich, der auf
sehr malerische Weise der Rheinfähre „Tamara“ ein Denkmal setzt.
Sieglinde Hoch steuert ebensfalls Fotografie bei: In Schwarz-Weiß hat
sie Impressionen der Bretagne eingefangen, in der man die spritzende
Gischt fast zu schmecken meint. Die Gegenlicht Farbfotografien von
Monika Houck im Winter am Biebricher Rheinufer aufgenommen- verflüssigen
fast das Licht selbst und ziehen aus alltäglichen Szenen eine besondere
Atmosphäre. Von Lörincz ist eine ebenso magische Überfahrt zu sehen –
und ein Selbstportrait, mit dem Wasser bis zum Hals. Im duftigen
Aquarell hat Johannes Ludwig das Rote Meer gebannt, während Heinz-Rudi
Müller in seinem Aquarell der Küste fast tektonisch zusammensetzt. Und
auch Bernd Brach selbt zeigt einen großen Fries mit Wachs auf
Presspappe: das Mittelmeer als Mahnung. Denn Lichter  sind
Suchscheinwerfer aus der Sicht eines Bootsflüchtlings. 


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