Pressespiegel

„Das ist eine Stadt der Maler“ – Warum die Kunstarche im Jubiläumsjahr mit dem Wiesbadener Kulturpreis 2022 ausgezeichnet wird

Samstag, 22. Oktober 2022

Wiesbadener Kurier


Wiesbadener Kurier 22.Oktober 2022

Von Brigitta Lamparth

Wiesbaden. Es ist der renommierteste kulturelle
Preis den Wiesbaden zu vergeben hat – und in diesem Jahr geht er an die
Kunstarche. Am 4. November wird die Institution mit dem „Preis zur
Förderung des kulturellen Lebens“ausgezeichnet. Der Kulturpreis ist mit
5000 € dotiert und wird an Künstlerinnen, Künstler oder Einrichtungen
vergeben, die sich in besonderer Weise um das kulturelle Leben in
Wiesbaden verdient gemacht haben. „Die Kunstarche hat einen Blinden
Fleck in Wiesbaden besetzt“, erklärt der Kulturdezernent Axel Imholz
(SPD) zu den einstimmigen Entscheidungen der Jury. Die Arche kümmert
sich um die Nachlässe der Wiesbadener Künstlerinnen und Künstler und hat
bisher mit dieser Sammlung und Gästen über 40 Ausstellungen an Ihrem
Standort präsentiert. Der Verein, vor zehn Jahren gegründet, kann sich
nicht nur über die Ehrung, sondern auch über das Preisgeld in Höhe von
5000€ freuen. „Das werden wir vorerst beiseitelegen. Wir hoffen auf eine
Verschönerungskur für unseren Ausstellungsraum“, sagt die 1.
Vorsitzenden Felicitas Reusch, die die Arche vor zehn Jahren zusammen
mit Arnold Gorski und Wolf Spemann gegründet habe. Im Ausstellungsraum
hänge noch ein großes Vierkantrohr einer ehemaligen Lüftungsanlage unter
der Decke, „hoffentlich entfernt die Stadt diese Anlage die schon seit
Jahren nicht mehr funktioniert“.

Felicitas Reusch, die erste Vorsitzende der Kunstarche, in der aktuellen Schau von 
Egon Altdorf mit der Metall-Plastik, „Wächter der Gestirne“ von 1957.

Es gibt noch weitere Pläne: „Wir würden gerne mit der Gemäldesammlung umziehen in einen eigenen Depotraum.“ Die Kunsthistorikerin wurde gerade als Vorsitzende wiedergewählt, zweiter Vorsitzender ist Bernd Brach. Beide kuratieren die Ausstellungen der Kunstarche. Und die leidet unter Platznot. „Wenn die Stadt das Untergeschoss saniert, dann kann das Stadtarchiv dorthin umziehen. Dann wird für uns ein Raum im Parterre frei. Vieleicht würden wir unten auch einen Depotraum bekommen.“ Aber es gehe nicht nur darum, die Nachlässe zu verwahren, sondern Sie zu zeigen und zu erforschen. Dazu hat Felicitas Reusch den Terminus „Kunstgeschichte Wiesbaden“ eingeführt. „Das war war wagemutig von mir, weil es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr solche geografisch eingegrenzten Soziotope gab.“ Heute zeige unter anderen das Museum Giersch, wie sinnvoll eine solche Aufarbeitung sein kann. Was macht die „Wiesbadener Kunstgeschichte“nach Ihrem Verständnis aus? Was ist das Prägnante? “ Wenn wir uns die Kunst in Wiesbaden nach dem zweiten Weltkrieg anschauen, dann lohnt es sich diese Maltradition zu erforschen. Auch begründet von Vincent Weber, dem Leiter der Malklasse an der Werkkunstschule.“ Die war im heutigen Kunsthaus angesiedelt und ist eine Legende – Als Ausbildungsstätte und Talentschmiede. Von Vincent Weber erbt die Kunstarche übrigens ein kleines Konvolut vermutlich zwölf Arbeiten. Was hat sie außerdem noch dem Vergessen entrissen? „Die Gruppe Real, den Bildhauer Arnold Hensler und jetzt Egon Altdorf, den wir gerade zeigen.“ Auch der Einfluss von Christa Meoring sei wichtig gewesen. Im Rückblick sei sie eine konservative Malerin gewesen, aber sie habe in  Wiesbaden auch viel bewegt und angeregt.“Und sie spiegelt auch das konservative gesellschaftliche Leben der Stadt Wiesbaden wieder.“

Aber es gab auch ganz andere Kunst: Fluxus zum Beispiel. „Von Fluxus haben wir gar nichts gesammelt, da haben ja auch das Museum und Michael Berger große Bestände.“ Sie habe schon geschaut, wo die Nische ist. Und das sind beispielsweise Künstlergruppem wie die „Gruppe Real“. Maler wie Franz Theodor Schütt und Erika Kohlhöfer Hammesfahr.“eine großartige Position“. sagt Felicitas Reusch. „Wir bekommen das gesamte grafische Werk von Felix Hammesfahr (Hamsvaar). Das wir es noch nicht gezeigt haben, lag nur an Corona.“ Reusch, die für Ihre Recherchen die Datenbank des Wiesbadener Tagblatts nutzt, will sich jezt der Geschichte von 1919 bis 1933 der einstigen Kunstgewerbeschule in der Wellritzstraße widmen. Und weiter dafür werben, auch junge Kunsthistoriker für die Arche zu gewinnen: „Wie schön wäre es, wenn die Stadt für die Leitung eine bezahlte Stelle einrichten würde.“


← Zum Pressespiegel