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Wenn die Maske zum Bikini wird – Wie reagieren Künstler auf die Pandemie? – Die Schau „Corona Echo“ in der Kunstarche gibt einen Überblick

Freitag, 19. November 2021

Wiesbadener Kurier


Wiesbadener Kurier 19.11.2021

Von Brigitta Lamparth

Wiesbaden. Am Anfang sagt Bernd Brach, sei das „wie
Neuschnee“ gewesen: so ruhig entschleunigt still. Aber schon bald im
ersten Lockdown begann der Wiesbadener Künstler unruhig zu werden. Und
diese Unruhe setzte er mit Arbeiten um, die auf diese historisch neue
Situation reagierten. Ging es anderen Kollegen genauso? Brach fragte
nach, und die Reaktion brachte ihn auf die Idee, eine Schau über das
Thema zu organisieren. Jetzt ist „Corona-Echo“ in den Räumen der
Kunstarche zu sehen ( bis 20.Februar 2022).

Es sind Künstler der Arche unter den 26 Beteiligten,
aber auch Vertreter des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK)
Wiesbaden. Finanziert wird die Schau, die heute eröffnet wird, von einem
Mitglied der Kunstarche. Ihm sei wichtig gewesen, dass sich alle mit
dem Thema Corona befassen, sagt Kurator Brach: „Das Echo auf unsere
Anfrage war enorm“. Gottfried Pott hat den Ausstellungstitel wörtlich
genommen: Seine Zeichnung mit Prägedruck prangt auch auf dem Katalog.
Neben solchen ikonografischen Aspekten gibt es auch ganz andere
Perspektiven auf das Thema. Bei Karin Hoerler sind es ironische: Sie hat
sich in Selbstportraits immer wieder mit Maske inszeniert – mit
erstaunlichen Variationen vom Bikini bis zum Strumpfband. Das Maskengrün
taucht auch in den stürmischen Bildern von Petra Ehrnsperger auf, bei
Sabine Hünecke werden Masken zu raffinierten, wie hinterleuchteten
Wandobjekten. Und Iris Kaczmarcyk greift die einfach im Straßenbild
liegengelassenen Masken auf, fotografiert sie und setzt sie zu einem
Maskenteppich zusammen – eine großartige Idee. Elke Bergerin kombiniert
figürliche Fragmente mit Maskenfrottagen. Kinetische Skulpturen baut Kai
Wolf aus Fundstücken: Hier wird die Energie in die Zange genommen, dazu
blasen die „Posaunen von Jericho“. Eine besonders lyrische Arbeit
steuert Walter Gebert bei: „Auf halbwegs sicherem Grund“ zeigt er auf
einem Holzfragment ein Paar, das einen Rückzug in der Beziehung gefunden
hat. Bei Gabrielle Hattesen wird das eher zu einer Spannung zwischen
den Figuren, Ulla Reis beschäftigt sich auch mit ihren Gestalten mit dem
Tod. Anna Bielers Mensch versteckt sich ängstlich unter einem Tisch.
Viele Leute in den Straßen und doch Einsamkeit: Das strahlen die Gemälde
von Arnold Gorski aus. Die Malerin Krista Kadel dagegen findet in
Platanen ein Symbol für Optimismus. Die Fotografien von Andreas Koridass
lenken den Blick auf die Natur. Bei Jochen Schnepf tentakelt die Natur
hervor. Susan Geel verbindet Menschen mit Spinnen zu Mutationen. Auch in
feinen gedrechselten Holzskulpturen von Werner Eberle wuchert es aus
glatten Oberflächen. Sehr düster zeichnet Thomas Duttenhoefer ein
Zeitbild – wie eine Antwort auf Picassos „Guernica“. Bernd Brach selbst
zeigt seine bandagierten Figuren, die beim Lesen innehalten –
großformatig umgesetzt in sinnlicher Enkaustik. Bei Ingrid Heuser gibt
es nur noch die äußere Hülle: Die der Penelope, die Immer wieder das
gewebte auftrennt – eine Gestalt in der Warteschleife. Das passt auch
gut zum Thema. Petra von Breitenbach hält in Gips weiße Kinderkleidung
fest, verbunden mit frischen Rosen – assoziativ. Das gilt auch für die
Fotografien von Frank Deubel mit Akten in Folie verhüllt. Renate
Reiffert geht wie in einem Aquarium auf Tauchstation, während Peter
Bernhardt einen apokalyptischen Reiter auf eine scheinbare Idylle
loslässt. Roman Mikos befragt einen Helden nach seinen seinen Werten,
und Ute Wurtinger erschafft eine Art bildnerisches Tagebuch. So
vielfältig kann ein „Corona-Echo“ sein.


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