Wiesbadener Tagblatt, 29.12.2012
Von Birgitta Lamparth
Das ist ein besonderes Merkmal der Kunstarche.
Etwas, was so eigentlich nur diese Institution zur Nachlasspflege von
Künstlern der Region kann: Ausstellungen präsentieren, in denen neue
Schenkungen in große Zusammenhänge gestellt werden. So wie bei der
aktuellen: Da wird eine Schenkung in Verbindung mit dem Bildhauer Erwin
Schutzbach nicht nur mit weiteren Werken des früheren Lehrers an der
Werkkunstschule Wiesbaden zusammen präsentiert, sondern auch mit
Arbeiten seiner ehemaligen Schüler Angelika Gassenmaier und Thomas
Duttenhoefer.
Duttenhoefer, der den Nachlass Schutzbachs
verwaltet, war es, der eine Arbeit an die Institution gegeben hat, die
unter einem Dach mit dem Stadtarchiv im Gewerbegebiet „Im Rad“ in den
ehemaligen Räumen der Artothek ein eigenes Domizil gefunden hat. Der
1993 gestorbene Schutzbach war ab 1958 Leiter der Bildhauerklasse an der
Wiesbadener Werkkunstschule und hat eine ganze Bildhauer-Generation
nach ihm geprägt. Duttenhoefer, der seinem Lehrer in besonderem Maße
verbunden war, hat ihn in Bronze porträtiert und diesen Kopf aus seinem
Privatbesitz der Kunstarche gestiftet.
Daneben sind Terrakotta- und Klinker-Arbeiten
Schutzbachs zu sehen, die aus den Jahren 1963 bis 1965 stammen und die
ganze Klasse dieses Bildhauers zeigen. Entfernt an Häuser und intensiver
an Felswände erinnernd, bieten sie innerhalb ihrer Fassaden eine
spannende Dreidimensionalität: Einbuchtungen wie Fenster und Vorsprünge
wie Balkone lassen architektonische Assoziationen zu und sind doch ganz
eigenständig. Ritzungen und Schrunden geben der Oberfläche malerische
Textur. Und wenn sich plötzlich bauchige Vorformen finden, dann gibt es
auch wieder einen Zusammenhang zum von der vom Menschen ausgehenden
Grundform, die Schutzbach seinerzeit bei seinen eigenen Lehrern vorfand.
Seine beiden Schüler Duttenhoefer und Angelika
Gassenmaier – später Angeli K. genannt – haben diese Einflüsse auf ihre
eigenen Weise weitergeführt. Angeli K. hat sich insbesondere in ihren
Terrakotta-Werken mit Architektur auseinandergesetzt. Jörg Gassenmaier
hat der Kunstarche eine zweifarbige Tonplastik seiner 2009 gestorbenen
Frau gestiftet. Und Thomas Duttenhoefer, der heute in Darmstadt lebt und
arbeitet, hat der Kunstarche ebenfalls weitere Arbeiten gespendet,
darunter auch ein Porträt von Ulrich Gertz, dem großen früheren
Professor für Kunstgeschichte. Eine interessante Schau also, der am 27.
Febraur (Eröffnung: 18 Uhr) mit der Einzelausstellung zu Max Bollwage
die nächste folgt.
