Pressespiegel

Wiesbadener Kunstarche zeigt Werke der „Gruppe Real“

Donnerstag, 16. Januar 2014

Rhein-Main-Presse


Rheinmainpresse 16. Januar 2014
Von Birgitta Lamparth

WIESBADEN – Sie wächst und gedeiht: Seit zwei Jahren
setzt sich der Verein Kunstarche für die Nachlasspflege Wiesbadener
Künstler ein und bringt die Kunst-Geschichte der Stadt zusammen. Seither
hat es immer wieder neue Werkkomplexe gegeben, die als Schenkungen in
die Sammlung der Kunstarche kamen, die unter einem Dach mit dem
Stadtarchiv Im Rad beheimatet ist. So nun auch ein großes Konvolut von
Karl Heinz Buch: 150 Gemälde und 200 Grafiken hat sein Stiefsohn
Friedrich Helber der Arche überlassen. Weitere Schenkungen kamen von
Felix Hammesfahr (Künstlername Hamsvaar). Beide Künstler zählen zur
Wiesbadener „Gruppe Real“. Grund genug, in den Räumen von Kunstarche und
Stadtarchiv ab Sonntag eine Ausstellung dieser Gruppierung zu zeigen –
nach fast 30 Jahren wieder einmal.

Die letzte große Schau fand 1985 im Nassauischen
Kunstverein statt. Im Zusammenhang mit einer Ausstellung 1965 im Museum
Wiesbaden hatten die Maler KH Buch, Bruno Reinbacher, Franz Theodor
Schütt und Erika Kohlhöfer-Hammesfahr die „Gruppe Real“ gegründet – zu
einer Zeit also, als abstrakte Malerei international vorherrschte „und
in Wiesbaden Ritschl dominierte“, so Felicitas Reusch von der
Kunstarche. Für die Mitglieder der Gruppe aber war in der figurativen
Malerei noch lange nicht alles gesagt. Retrospektiv betrachtet sollten
sie recht behalten.

Die Ausstellung, die am Sonntag um 12 Uhr eröffnet
wird, vereint eine Auswahl von 45 Gemälden und Grafiken aus den Jahren
1962 bis 1984, die den Besonderheiten der einzelnen Maler gerecht wird.
Da sind die von der Artothek entliehenen Werke von Schütt, mit ihren
deutlich an der Zeichnung orientierten Umrissen und fahlen Farben. Die
neusachlich wirkenden, mitunter drastisch sozialkritischen Bilder von
Hamsvaar oder die vom kleinen Alltag erzählenden Stillleben von Michael
Moering, der aus einer Malerfamilie kam und sowohl Neffe von
Ernst-Wilhelm Nay als auch von Christa Moering war. Die düsteren
Porträts von Bruno Rheinbacher, dessen Sohn Matthias die Ausstellung
auch finanziell unterstützt.

Von
Erika Kohlhöfer-Hammesfahr sind neben Porträts – wunderbar schrundigen,
mit Spitzeneinarbeitungen strukturierte Gesichtslandschaften – auch
ihre stillen Architekturbilder zu sehen. Und KH Buch ist eine
Entdeckung: Der 1988 in Wiesbaden gestorbene Künstler, der parallel zum
Kunststudium auch Jura studiert hatte und bei einem Straßenbahnunglück
in Stuttgart schwer verletzt worden war, ist hier mit seinen oft
collagierten Menschenbildern vertreten: malerisch exquisiten Akten,
bissigen Witwenporträts, Werken mit subtiler Erotik, tragischer
Versehrtheit und bornierter Langeweile. Bilder vom Leben mit einer
düsteren Vergangenheit und scheinbar ohne Zukunft. Ein großes Werk.


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