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Wo Farbe den Ton angibt … – AUSSTELLUNG Kunstarche zeigt Werke der Abstrakt-Meditativen: Von Alo Altripp bis Regina Urbach

Freitag, 1. August 2014

Rhein-Main-Presse


Rhein Main Presse 1. August 2014  
Von Ulrike Brandenburg

WIESBADEN – „Die Welt ist Farbe“ – mit diesem Zitat
des spätmittelalterlichen Mystikers Nikolaus von Kues will die
Wiesbadener Kunstarche, sprich Initiative zur Archivierung von
Künstler/innen-Nachlässen, in einer schon jetzt verdienstvollen
Ausstellungsreihe auf die in unserer Stadt immer noch lebendigen
Maltraditionen aufmerksam machen.

Harmonisch komponiert

Eine zentrale Rolle für die Wiesbadener
Kunstgeschichte spielte bekanntlich die historische Wiesbadener
Werkkunstschule, nicht zu verwechseln mit der bis heute aktiven
Wiesbadener Freien Kunstschule (WfK) – mit der Beschränkung auf das
Klangprinzip unterrichtet die WfK eine in der Theorie und Praxis
eingegrenzte Variante der Bauhauslehre.

„Die Welt ist Farbe“ also – vor der für 2015
geplanten expressionistischen Variante zeigt die Kunstarche in den
Räumen des Stadtarchivs gegenwärtig die Abstrakt-Meditativen. Um es
vorwegzusagen – die Schau ist harmonisch durchkomponiert, die Bilder
lassen einander genug Raum, und das ist eine Leistung. Leider ist dieser
Effekt einer Farbdämpfung, sprich, einer Dominanz abgemischter
Blautöne, abgerungen – selten begegnen so dunkle Werke Oskar Kolbs
(1923-1998), selten eine so leise Kerstin Jeckel, virtuose Malerin von
im Normalfall kaum fassbaren Farbintensitäten. Hätte man nicht besser
jedem der drei Räume einen dunkelgrauen Wandanstrich gegönnt und eine
Primärfarbe zugewiesen, zwecks Steigerung der sinnlichen
Gesamtintensität?

Weniger Erlebnis denn Arbeit also, die zu
investieren sich allerdings lohnt. In Otto Ritschls (1885-1976) Spätwerk
etwa, blau dominierte Ölbilder von samtiger Anmutung und „langsamer,
‚atmender’ Raumausdehnung“, wie Ingrid Koszinowski einmal schrieb.
Ingeborg Finke (1930-2007) ist mit „strukturierten Visionen“ in
blau-weißer Tonigkeit zu sehen, der dunkelnde Abendhimmel ist bei Renate
Reifert assoziierbar, magisches Grün-Grau unterfängt, dem Bildtitel
entsprechend, Regina Urbachs hoch-poetische Bildvision „Lethe“,
coelin-blau bestimmt Edgar Diehls raffiniert erfundenes Farbrelief und
auch Heiner Thiel steuerte Aluminiumformen im Blauschwung bei.

Allen Malerinnen und Malern ist der ebenso präzise
wie fast meditative Umgang mit der Farbe gemein – vermag diese doch ohne
weitere gegenständliche Assoziation unsere Psyche direkt zu berühren.
Auf diese Weise bleibt sie übrigens auch aktuell. Es zählt nicht, ob wir
ein Werk Alo Altripps (1906-1991) oder eine Arbeit Arnold Gorskis
bewundern. Oder ob wir den subtilen Farbvarianten eines Johannes Ludwig
folgen, spontan wirkenden Farbverläufen, die auf feintonig gemaltem
Rastergrund stets als kraftvolle Wiederaufnahmen des
lebens-energetischen Flusses erscheinen.

Magische Aquarelle

Das Entstehungsdatum von Oskar Kolbs magischen
Aquarellen nimmt den Arbeiten nichts von ihrer Präsenz. Und erst recht
nicht den Werken von Winfried Mühlum. Seit über 30 Jahren entwickelt
Mühlum seine „transluziden Architekturskulpturen“, ein leiser
Avantgardist, der eigentlich eine größere Bühne verdiente.
Katalog (Einführung Eva Reifert, Layout Iris Kacsmarczyk) fünf Euro


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