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Quelle: https://kunstarche-wiesbaden.org/pressespiegel-archiv.html#a1588
Kultur vor Ort 18.04.2015
Von Birgitta Lamparth
WIESBADEN – Fast zehn Jahre hat Petra von Breitenbach an dem 574 Seiten starken Werkkatalog gearbeitet. Aber auch die Künstlerin mit dem profunden Wissen über ihre Freundin Christa Moering erlebte dabei noch Überraschungen: Als eine der beiden Leihgaben des Landesmuseums – „Das Mädchen mit der Zipfelmütze“ aus dem Jahr 1949 – für den Katalog fotografiert wurde, entdeckte man auf der Rückseite noch ein zweites Bild, ein Stillleben. Ähnliches fand man vor Jahren auf der Rückseite von Jawlenskys Gemälde „Nikita“.
ZAHLEN & DATEN
Der Werkkatalog ist zum Subskriptionspreis bis zum 30. April für 69 Euro erhältlich (bei der Kunstarche und im Buchhandel). Danach kostet er 98 Euro. Die Ausstellung dauert bis zum 6. Juni. Zur Finissage liest Iris Atzwanger um 18 Uhr aus den Tagebüchern.
An solchen und anderen Überraschungen im Werk der 2013 gestorbenen Wiesbadener Ehrenbürgerin kann man jetzt teilhaben: Freitagabend wurde der Band „Christa Moering. Ein Leben für die Malerei“ in der Kunstarche (Im Rad 42) vorgestellt. Flankierend dazu ist dort auch eine Ausstellung eröffnet worden, die mit dem Verkauf gestifteter Arbeiten helfen soll, das Werkverzeichnis zu finanzieren. Die Wiesbadener Verlegerin Ursula Reichert hat eine besondere Bindung an das Projekt: Ihre Mutter war die Ärztin Christa Moerings, „sie hat mich als Kind gemalt“. Eines von insgesamt über 1000 Werken, die Christa Moering im Laufe ihres langen Lebens geschaffen hat. Schon 1946 hatte sie ihre erste Ausstellung in Baden-Baden, der unzählige folgen sollten. Dennoch, die 1916 geborene Künstlerin hielt „von ihrer eigenen Kunst nie viel“, so Petra von Breitenbach. Die Grafik-Designerin begann mit dem Projekt schon zu Lebzeiten Moerings, als 2006 aus Anlass einer Ausstellung zum 90. Geburtstag im Stadtmuseum bereits Arbeiten fotografisch erfasst werden sollten. Als dann zur Benennung des „Christa-Moering-Platzes“ im Europaviertel 15 000 Euro „ins Haus flatterten“, war der Grundstock für das Buchprojekt gelegt. Dabei ging Petra von Breitenbach äußerst akribisch vor und listet nun im Werkkatalog, zu dem Reinhard Zimmermann das kenntnisreiche Vorwort geschrieben hat, penibel die Werke auf – auch jene, die sie nach den Aufrufen auch in dieser Zeitung bei 60 Sammlern aus der Region fotografieren durfte. Eine Systematik, die sich nicht immer mit der Christa Moerings deckt: Zu einzelnen Arbeiten schuf die Malerin 20, 30 Jahre später ein ganz ähnliches Motiv. „Vielleicht durch Aufträge veranlasst“, vermutet Petra von Breitenbach hinter diesen Sprüngen im Werk. Eingebettet ist es im Leben der Künstlerin: Fünf Tagebücher, die sie zwischen 1944 und 1956 geschrieben hat, wurden erfasst und vermitteln nun im Katalog auch ein Bild vom Denken der Malerin in einer bewegten Zeit.
In der von Felicitas Reusch klug kuratierten Schau ruhen die Originale in Vitrinen. Insgesamt 27 Arbeiten beleuchten in der Kunstarche Christa Moerings Schaffen: von Landschaften in überraschendem Schwarz-Weiß bis zu den Pastellen in den für sie typischen starken Farbklängen in strömenden Bäumen und fließenden Hügeln. Auch hier gibt es das oft: das (Seelen-)Bild hinter dem Bild.
