Rhein-Main-Presse 3. Februar 2016
Von Brigitta Lamparth
Wiesbaden.
Malerei und Schrift – in der chinesischen Kulturgibt es für beides den
identischen Begriff. Ein Symbol dafür, dass beides die gleichen Wurzeln
hat. Kein Wunder also das sich viele der Arbeiten des Wiesbadener
Schriftkünstlers Gottfried Pott auf große chinesische Denker beziehen.
Auf den Zenmeister Zhao Mengfu beispielsweise geht dieses Zitat
zurück: „Wenn die Dichtung des Herzens die Gefühle nicht mehr ausdrücken
fließen sie in der Kalligraphie über und verwandeln sich in Bilder.“
Und in Kalligraphie hat Pott diese Worte verwandelt.
70 Arbeiten
Worte,
die wie viele der rund siebzig Arbeiten, die zurzeit in der Kunstarche (
Im Rad 42 ) zu sehen sind, von der Ferne oft wie reine Kunst erscheinen
und erst in der Nähe ihren reinen Schrift-Sinn erkennen lassen. Die
Herangehensweise des 1939 in Lahnstein geborenen Künstlers, der 1959 bis
1963 an der legendären Werkkunstschule studiert hat und nun seit
fünfzig Jahren hier lebt, ist ähnlich: Mal ist es der Inhalt, die
Bedeutung von Worten, die ihn zu einer bestimmten Umsetzung führen, mal
ist es umgekehrt.
Materialgerechtigkeit,
das sei etwas, was er für sein lebenslanges Wirken an der
Werkkunstschule bereits gelernt habe, sagt Pott, der sein umfangreiches
kalligraphisches Wissen von 1988 bis 2003 als Professor an der
Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim und bei
Workshops und Fachvorträgen weltweit weitergegeben hat.
Die
in der Kunstarche gezeigten Arbeiten stammen aus den Jahren 2014 und
2015 und sind in einem schönen Band des Mainzer Verlags Hermann Schmidt
erläutert – Quasi ein Katalog.
Zur
sehenswerten Schau. Sie zeigt die ganze Vielfalt der Möglichkeiten des
Alphabets – Vielfalt auch ganz wörtlich mit dreidimensionalen Arbeiten,
in denen der Raum zwischen den Buchstaben größer wird. Die Kunst mit der
Feder – Pott beherrscht sie meisterlich. Auch die Antiqua, die für ihn
die Kür des Schreibens bedeutet. Am besten arbeite er, wenn er den Text
auswendig könne:“ Sonst ist der Fluss weg“, sagt Pott, der Zitate von
Paul Standard ebenso mit seiner Arbeit zur visuellen Poesie formt und
auch hinterleuchtet wie die Weisheiten von Nikolaus von Kues. Sein
Leitthema aber stammt von Apelles : „Kein Tag ohne Linie.“
