Wiesbadener Tagblatt Kultur 25.Juni 2016
Von Birgitta Lamparth
WIESBADEN – Er ist nicht blau, sondern rot-weiß
gestreift: Der hessische Löwe, der jetzt zum 70. Geburtstag des
Bundeslands im Blickpunkt steht, wurde auch von den Professoren der
damals legendären Werkkunstschule zum Motiv erklärt. Werner Kump, Leiter
der Fachabteilung Metallbildhauerei, hat ihn eindrucksvoll gestaltet.
Auf seine Arbeiten ist Felicitas Reusch von der Kunstarche gestoßen: Sie
bereitet für November eine Ausstellung über die Werkkunstschule vor.
„Es handelt sich immer um den steigenden Löwen im
Profil mit ausgeschlagener Zunge, der Schweif variiert vom dreifachen
Schweif bis zum Schwanz mit Quaste“, so Felicitas Reusch über die Löwen
von Kump, der mit der Gründung der Wiesbadener Werkkunstschule 1949
eingestellt wurde und bis 1961 Leiter der Metallbildhauerei blieb. Seine
Löwen seien männlich gewesen und nicht geschlechtslos, so Reusch, die
auch in Kumps Versionen im Innenministerium Symbole sieht für „männliche
Ernsthaftigkeit“, für „Abwehr und Verteidigung“. Diese Löwen seien von
jemandem gestaltet worden, der zwei Weltkriege erlebt hat: „Dieser
drahtige Löwe ist kein Kuscheltier.“ Sein Entwurf war erstmals 1949 in
einer Ausstellung der damals noch „Werk+Kunst Schule“ geschriebenen
Ausbildungsstätte zu sehen – mit einem von Johannes Boehland entworfenen
Plakat. Boehland war damals Leiter der Fachabteilung Grafik.
- WAPPENTIER
Für die Vorbereitung der Ausstellung „Werkkunstschule 1949 – 1970“,
die am 13. November eröffnen soll, sucht die Kunstarche, Im Rad 42, noch
Leihgeber: Wer ein Wappentier auf einem Teller (Ehrengabe) oder eine
Plakette aus jener Zeit hat und sie der Kunstarche für die Ausstellung
zur Verfügung stellen möchte, wendet sich an:
kontakt@kunstarche-wiesbaden.org.
Damals
lag die „Leitung der Anstalt in den Händen eines Kuratoriums, das sich
aus Mitgliedern des Hessischen Kultusministeriums, der Industrie sowie
aus Vertretern der Kammern und der Verlegerschaft zusammensetzt“, so in
der Ankündigung 1949.
Kumpf, 1896 in Köln geboren und 1989 in Bad
Schwalbach gestorben, hat auch in anderen führenden hessischen
Institutionen seine Spuren hinterlassen: Sein Metallrelief „Die Welt in
Zahlen“ zeigt im Statistischen Bundesamt seine klare Linienführung und
gibt den Zeitgeschmack wieder. An ihn und seine kreativen Mitstreiter
der Werkkunstschule wird eine Ausstellung in der Kunstarche erinnern,
die am 13. November eröffnet wird und eine Lücke schließen soll. In
Kooperation mit dem Stadtarchiv wird die Talentschmiede endlich ins
rechte Licht gerückt. „Es wäre traumhaft, wenn auch die Hochschule
Rhein-Main mitmachen würde“, wünscht sich Felicitas Reusch. Die
Handwerkskammer konnte sie bisher leider noch nicht zu einer Kooperation
bewegen.
