Pressespiegel

Am liebsten bunt – KUNSTARCHE Ausstellung der Malerei von Peter Wolf

Mittwoch, 15. März 2017

Wiesbadener Tagblatt


Wiesbadener Tagblatt Kultur 15.03.2017 

Von Ulrike Brandenburg

Wiesbaden. „Bunt ist meine Liebelingsfarbe“ – dieses
auf den Goetheschen Farbkreis verweisende Walter-Gropius-Zitat steht
mottogebend über der gegenwärtigen Schau von Arbeiten Peter Wolfs in der
Kunstarche. Insgesamt hat Wolf die bereits am Bauhaus gelehrten
Quälitätsansprüche an die ungengeständliche Malerei  verinnerlicht und
umgesetzt – ausbalanciert sind alle Farb- und Formelemente, so wird das
Auge durch die Komposition geführt, ohne dass einzelne Bildpartien
völlig aus dem Fokus geraten. Den Flow der Wahrnehmung hergestellt zu
haben, ist also gelungene Qualitätsicherung – und wenn Farben, wie im
Falle Peter Wolfs, Binnenvariationen erfahren, dann steigert das die
Komplexität der Gesamtwirkung und damit auch die Güte der Bilder. Auch
formal vollendet also sind sämtliche Arbeiten des Malers – der durchaus
Bild-Reihen, wenn auch nur bedingt Bild-Serien erschafft.

Immer wieder leuchtendes Pink

 Dann aber folgt Wolf eigenen Farbideen und nimmt
sich künstlerische Freiheiten, die unter strengen Adepten der
klassischen Weimarer Lehre durchaus verpönt sind. Peter Wolf lässt sich
nicht nur die Farben des Himmels, lässt Türkis, Nachtblau, Feuerrot und
Warmgelb fluten, sondern verwendet immer wieder ein leuchtendes Pink und
damit jene im 20. Jahrhundert neu auftauchende Farbe, deren Energie den
deutschen Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner so berauschte, dass er
Teile seines Frühwerks übermalte. Wolf, der unter anderem bei Malern im
Hamburger Raum studierte, und dessen ebenfalls einsehbare Skizzenbücher
virtuose Zeichnungen und Meeres- Aquarelle zeigen, taucht winzige rote
Backteinhäuser auf grüner Hallig in dynamische, geradezu norlichternde
und fast losgelöste Farbschleier. Mit Nolde verbindet den seit zehn
Jahren in Wiesbadener lebenden Künstler und Neumitglied der Kunstarche
sichtbar die Erfahrung, dass der HImmel in Norddeutschland höher ist als
anderswo. Das eigendliche Thema Wolfs scheint die Erschaffung eines
bühnenähnlichen Raums zu sein, in welchem Farben als Aktuere auftreten –
diese Grundidee charakterisieren auch des Künstlers Portraits von
Ikonen der Zeitgeschichte. Einen Teil dieser Serie hat der Maler
übrigens im lichterfüllten Grisaille-Stil gestaltet. Dazu passt auch,
dass er die künstlerische Nichtfarbe Weiß im Sinne einer angedeuteten
metaphysischen Perspektive in seine Landschaftsprospekte integriert.
Wolf malt seit seiner Gymansialzeit, und das kontinuierlich – Kunst
schaffend in Parallele und in der Folge seiner Karriere als
Personalmanager einer deutschen Großbank und oft eben auch, zum
Leidwesen seiner Frau, wie Wolf zerknirscht zugibt, im Urlaub.


← Zum Pressespiegel