Rheinmain Presse Kultur am Wochenende 9. September 2017
Von Birgitta Lamparth
WIESBADEN – Ganz schön schnell unterwegs. Da rast ein Gepard am Wiesbadener Bowling Green vorbei – und erinnert fatal an jenes arme Wildschwein, das kürzlich einen Schaufensterbummel in der Wilhelmstraße mit dem Leben bezahlen musste. Der Gepard hat seines schon vor langer Zeit verloren: Er ist präpariert und zählt zur Naturhistorischen Sammlung des Wiesbadener Museums. Fotokunst von Dietmar Buchelt macht seinen Ausflug auf die Rue möglich.
Zu sehen ist diese Arbeit zusammen mit zahlreichen anderen zum Thema „Tiere in der Stadt“ seit gestern Abend in der Kunstarche am Stadtarchiv, Im Rad 42. Die große Gruppenausstellung versuche, „das Menschliche im Tier und das Tierische im Menschen zu spiegeln“, so Felicitas Reusch von der Kunstarche, die sich in den vergangenen Jahren vom Archiv für Künstlernachlässe zum attraktiven Ausstellungsort gemausert hat.
Apropos Nachlass: Nach dem Tod von Robert Preyers Witwe falle in Kürze die eine Hälfte des künstlerischen Erbes an die Kunstarche, die andere gehe an die Stadt Wiesbaden, verrät uns Felicitas Reusch. Von Preyer sind in der Schau feine Illustrationen zu sehen. Auch ein fabelhaftes Ölgemälde, auf dem Hunde eingepfercht sind – und die Katzen drumherum feixen.
Überhaupt hat die Ausstellung eine durchaus heitere Note – mal abgesehen von den blutrünstigen Szenen aus dem Schlachthaus von Felix Hamsvaar oder dem Todesvogel von Fee Kempf. Sehr lustig dagegen die Bienen, die Comiczeichner Hunz (eigentlich Hans Wirth) als Bauarbeiter hoch über der Stadt auf einem Balken drapiert – ein Zitat des berühmten Fotos „Lunch atop a skyscraper“ über New York. Ganz wunderbar auch der „Taschenzirkus“ von Peter Lörincz: die Gravur eines seiltanzenden Flohs – in einer metallenen Zigarillodose. Von Lörincz sind weitere köstliche Motive wie der possierliche „Teddyfant“ in der Schau zu sehen.
Es sind auch die ungewöhnlichen Begegnungen, die beim Besuch der Schau hängen bleiben. Wie die einer griechischen Landschildkröte mit einem Gemälde im Kunstmuseum Basel. Oder die Tier-Mensch-Konstellationen von Uta Grün, deren „Zirkusszene“ wie aus einem Traum wirkt. Schön auch die Applikationen der Fadenzeichnungen von Martina Hahn. Tiere, das werden sicher auch die vielen Besucher zeigen, die der Schau zu wünschen sind, Tiere gehen immer.
