Wiesbadener Kurier 18.12.2018
Von Alexander Weiß
Wiesbaden. „Durchbrochene Welten“ heißt die letzte
Ausstellung, die in diesem Jahr in der Kunstarche Wiesbaden gezeigt
wird. Im Mittelpunkt stehen Werke von Ruth Teßloff, Susan Geel und
Werner Eberle. „Was ist stabil? Was ist zerbrochen?“ In diesen Tagen
denkt man mehr an das Ende, weniger an den Anfang“, beschrieb Felicitas
Reusch, Vorsitzende der Kunstarche, die Gemütslage.
Auslöser für die Ausstellung war eine Schenkung von
Thomas Flössner. Der Dozent der Wiesbadener Musikakademie vermachte der
Kunstarche aus dem Nachlass seiner Mutter drei Gemälde der Künstlerin
Ruth Teßloff, die mit seiner Mutter, der Konzertpianistin Gerda Flössner
eine langjährige Freundschaft verband. Daraufhin setze sich der
Vorstand mit dem Nachlassverwalter Alexander Hildebrand in Verbindung ,
der den Katalog „Tag- und Nachtgleiche: – Die Malerin Ruth Teßloff“
verfasste und für die Ausstellung weitere Leihgaben zur Verfügung
stellte.
Der Titel des Katalogs helfe dabei, das Werk der
Künstlerin sprachlich zu ergründen, erklärte Bernd Brach,
stellvertretender Vorsitzende der Kunstarche: „Tag – und Nachtgleiche:
Geht es doch der Malerin auch immer wieder um das Licht, das entweder
die gemalte Szenerie erhellt oder sich ihr verweigert.“ Die Bilder Ruth
Teßloffs – sie starb 2006 in Wiesbaden- erzeugen so eine melancholische
Stimmung. Auf ihrem „Stillleben mit Lampe und Kerze“ leuchtet nichts.
„Was erfahren wir von einer nicht brennenden Kerze, welche Informationen
bekommen wir von einer Kerze die nicht brennt?“, fragte Brach das
Publikum. Als eine Enttäuschung der Malerin, die konstatiert, dass der
Spiegel dunkel bleibt, deutete Alexander Hildebrand diese Symbole. Licht
und sich spiegelnde Figuren greift Teßloff auch in ihrem Gemälde
„Kurzsichtige Selbstbetrachtung“ auf. Das Bild zeigt einen Richter, der
sich selbst so genau besieht, das er sich selbst so genau im Spiegel
besieht, dass er mit seiner Nasenspitze an den Spiegel vor ihn stößt.
Ruth Teßloff malte es im Jahr 1976, möglich ist eine künstlerische
Auseinandersetzung mit dem Stammheim-Prozess, der ein Jahr vorher
begann.
Arbeiten aus Holz und Ton
In Verbindung mit den Arbeiten von Werner Eberle und
Susan Geel ist eine in sich stimmige Ausstellung entstanden. Auf der
Suche nach der „guten Form“ begann für den Architekten Werner Eberle die
Auseinandersetzung mit dem Medium Holz. Über das Drechseln von
funktionalen Schalen entwickelten sich im Laufe der Zeit immer
abstraktere Formen, deren Ziel es ist die unterschiedlichen
Aussagemöglichkeiten über das Material zu präsentieren.
Susan Geel ist neu im Kreis der Kunstarche. Im
Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen aus Ton verarbeitete Skulpturen.“Eine
sinnliche Erfahrung“ seien die Werke der in Zürich geborenen Künstlerin,
erklärte Felicitas Reusch. Erschließen lässt sich dies über die Formen
und Figuren sowie die Verarbeitung desTons, die mit den bloßen Händen
beginnt. Was alle drei Künstler verbindet, sei die „Sprache der
Metaphorik“, wie Bernd Brach es nannte. Vorstellungen und Bilder die gut
in die Zeit passen.

Werner Eberle „Durchbrochene Welten“, Holz, 2018

